On Air - pneumatischer Strick

On Air - pneumatischer Strick

  • Chapeau! inflated
    Zoom
    Chapeau! inflated
  • Chapeau! deflated
    Zoom
    Chapeau! deflated
  • Chapeau! resists attacks
    Zoom
    Chapeau! resists attacks
  • Knitshell
    Zoom
    Knitshell
  • Knitshell valve
    Zoom
    Knitshell valve
  • Pneumatischer Verbinder
    Zoom
    Pneumatischer Verbinder
  • Pneumatischer Verbinder Close-up
    Zoom
    Pneumatischer Verbinder Close-up
  • structural tests
    Zoom
    structural tests
  • early rendering of the idea
    Zoom
    early rendering of the idea
  • sketches
    Zoom
    sketches
An early material test on pneumatic knit. The textile gets inflated and deflated
Wie es funktioniert

Ein pneumatischer Faden verstrickt sich zu einem Textil mit ganz besonderen Eigenschaften: Entlüftet ist es weich und flexibel, bepumpt aber derart fest und dicht, dass es als Helm einen Kopf schützt und als Universalverbinder Objekte und Materialien knallfest aneinander fesselt.

Die Inspiration

Eine offene, leere Plastikflasche lässt sich leicht zerdrücken. Dreht man aber den Deckel zu, wird dies nahezu unmöglich.
Inspiriert von der Idee, mit Luft künstliches Material, etwa eine stärkere Wandung, zu ersetzen, richtet sich der Fokus auf die konstruktiven Qualitäten von Luft in einer Membran und die Wahrnehmung von Luft als vollwertiges Material.
Denn Luft ist ein ganz besonderes Element: Sie ist überall verfügbar, zu 100 Prozent ökologisch und sie hält uns am Leben.

Wie es funktioniert

„On Air“ ist der Entwurf eines neuen Materials, dem „pneumatischen Strick“. Sein Faden ist ein expansionsfähiger Schlauch, ummantelt von textilem Hüllschlauch. Beaufschlagt man ihn mit Luft, bedingen die Fasern des Hüllschlauches die maximale Querschnittsexpansion und verkürzen den Faden. Bei verschränkten Maschen lässt diese Kontraktion die Struktur, durch die vielen Druckpunkte mit sich selbst, knallfest aushärten.

Zwei Anwendungen demonstrieren das Potenzial des pneumatisch kontraktilen Textils:

1.) Die Kopfprotektoren „Chapeau!“ und „Knitshell“ kommen mit ein paar Pumpzügen in Form. Sie schützen den Fahrradfahrer, der ihnen die Luft wieder ablassen und sie so zum Transport in jeder Tasche verstauen kann. Dabei sorgt das Materialgefüge durch seine Lückigkeit für die Belüftung des Kopfes und bietet Anknüpfpunkte für die Riemenkonstruktion.
2.) Der „pneumatische Verbinder“ lässt sich im entlüfteten Zustand von Halbzeugen und Objekten durchstechen, härtet unter Luftzufuhr knallfest aus und zwingt alles zusammen, das ihn durchdringt - spontane Strukturen und Zusammenhänge entstehen mit seiner Hilfe auf reversible Art und Weise.

Denkbar und in Planung sind weiterhin Einsätze im medizinischen Sektor, beispielsweise als stufenlos einstellbarer Kompressionsverband. Auch könnte die Manschette des Blutdruckmessgerätes durch pneumatischen Strick zu einem angenehmeren, belüfteten Tragekomfort führen, was speziell bei Langzeitmessungen ins Gewicht fällt.
Als Greifstruktur im industriellen Kontext könnte eine ganze Matte aus pneumatischem Strick auf Objekte abgelegt werden, welche diese dann durch Kontraktion alle gleichzeitig heben und befördern könnte.

Entwicklungsphasen

In den ersten Versuchen ging es um die Beeinflussung einer flexiblen, dehnbaren Membran. Mit Tape wurden Luftballons abgeklebt, deren Expansion auf diese Weise stark beeinflusst werden konnte. Im nächsten Schritt konnte ich feststellen, dass man durch präzise Abklebungen eines Langballons eine gerichtete Expansion dessen erzielen, ihn quasi um die Ecke lenken kann. Auch Tests zu sich durch Expansionselemente selbstständig aufbauenden Möbeln aus festen Flächen und Einfallstudien unter Luftentzug bei Hohlkörpern mit ganz bestimmten Wandstärke-Geometrien waren vielversprechend. Jedoch lies mich die Idee der Lenkung der Expansion einer Membran nicht mehr los. Durch einen Versuch in dem drei gleichartige, stabförmige Ballons der Länge nach aneinander fixiert waren, begriff ich, dass ein besonders interessantes Spannungsfeld in der Wechselwirkung zwischen Membranen liegt. Denn wurde eine dieser Membranen bepumpt, entwickelte sich die Gesamtstruktur von ihr weg. Wurde einer Membran Luft abgelassen, bewegte sich die Gesamtstruktur zu dieser hin.
Von hier an wurden die Ballons durch expansionsfähigen, dünnen Silikonschlauch ersetzt, also verfeinert, und verschiedenste Gewebe und Gestricke getestet. Somit lässt sich der Silikonschlauch als pneumatischer Faden begreifen. Zur finalen Verfeinerung bekam er eine Flechtschlauch-Hülle, die seine Oberflächenspannung abfing und knallfestes Bepumpen ermöglichte. Gleichzeitig sorgte diese für einen Kontraktionseffekt der textilen Struktur und ließ sie zum pneumatisch-kontaktilen Textil werden.
Das Ergebnis ist also ein neues Material, ein Textil aus pneumatischem Faden, ein Textil mit völlig neuen Eigenschaften und Möglichkeiten.

Awards

Die Arbeit wurde im "Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner 2014" eingereicht, dessen Nominierungen noch laufen.